...torffrei gärtnern

Kornwestheimer Zeitung, 16.04.2014

Zurzeit stürmen auch in Kornwestheim Hobbygärtner und Balkonblumenfreunde die Gärtnereien und Gartenmärkte um sich mit Blumenerde einzudecken. Doch vielen ist nicht bewusst, dass sich in den Plastiksäcken mit der Aufschrift „Erde“ größtenteils Torf befindet – der Stoff, aus dem Moore bestehen. Mit der Aktion „Torffrei gärtnern“ will der NABU informieren und alle Hobby-Gärtner ermuntern, bewusst einzukaufen.

 

Über drei Millionen Kubikmeter Torf pro Jahr verbrauchen Hobbygärtner allein in Deutschland und tragen dadurch oft unwissend dazu bei, dass unersetzliche Moorlandschaften verloren gehen.

 

Moore gehören zu den am stärksten gefährdeten Ökosystemen Deutschlands. 95 Prozent der noch vor wenigen Jahrhunderten bestehenden Moorflächen wurden bereits entwässert und gelten als „tot“. Nicht nur für die Artenvielfalt, auch für uns Menschen hat der Verlust von Mooren erhebliche Folgen. Moore speichern doppelt so viel CO2 wie alle Wälder weltweit zusammen. Große Mengen Torf werden verstärkt aus den baltischen Staaten importiert, wo der Moorschwund rasant voranschreitet.

 

Jeder Kleingärtner sollte seine eigene Erde herstellen.“ ist Lothar Friedrich vom NABU Kornwestheim überzeugt. Für ihn als Gärtnermeister gehören Gemüseabfälle, Kaffeesatz und andere Pflanzenreste auf den Kompost. „Mit Erde angesetzt ergibt das nach einem Jahr eine wertvolle Erde, die auch noch kostenlos ist.“ Selbst Balkonbesitzer können das in einem Schnellkomposter tun.

 

Wer das nicht kann oder will bekommt im Handel nicht nur Blumenerde mit stark reduziertem Torfanteil, alle namhaften Hersteller bieten auch komplett torffreie Produkte an. Aufpassen muss man bei der Aufschrift „Bioerde“, denn hier kann noch ein sehr großer Anteil Torf enthalten sein.

 

Moore sind Lebensraum auch für die Bekassine, Vogel des Jahres 2013. Torfabbau gefährdet also auch den Bestand der "Himmelsziege", wie sie scherzhaft genannt wird.

 

 

 

 

 

 

Foto: NABU / Tom Dove

Weitere Informationen

Die Landesschau hat am 1.April (kein Scherz!) einen sehr guten Bericht über torffreies Gärtnern gezeigt. Hier kann man ihn anschauen, er beginnt etwa bei Minute 29.

 

Die Aktionsseite "Torffrei gärtnern" des NABU enthält viele Informationen, die Sie hier finden.

 

Der BUND hat die Hersteller und ihre Produkte aufgelistet. So kann man beim Händler gezielt torffreie Produkte erfragen. Die Liste gibt es hier.

 

Bezugsquellen rund um Kornwestheim

Wenn hier nicht alle Bezugsquellen genannt werden, bitten wir um Nachsicht und Information. Wir ergänzen gerne. Die folgenden Angaben sind ohne Gewähr:

 

Die Gärtnerei Klein führt torffreie Neudorf-Produkte.

Die Gesellschaft für Wertstoffe bietet als Fertigprodukt Kübelerde (aus Lehm, Kompost, Sand) aber auch alles einzeln zum selber mischen. Ausgabe lose vom Eimer bis zum LKW.

Hauke Erden hat Blumenerde (Achtung: Pfanzerde ist mit Torf) in 20/45/70 Liter-Säcken. Kübelpflanzengranulat, wie es auch im Blüba verwendet wird, ist ebenfalls torffrei. Ausgabe lose nur auf Hänger oder LKW, nicht eimerweise.

Für die Baumärkte Globus, OBI und Hornbach siehe BUND-Liste.

 

Grundsätzlich gilt der Tip unseres Gärtnermeisters Lothar Friedrich: Kaufen Sie nicht die billigste Erde. Riechen Sie daran. Eine Erde, die schlecht riecht, taugt nichts.

 

Selbst kompostieren

Hier gibt es genug nützliche Hinweise im Netz wie z.B. "Der Mix macht's" oder die Tipps bei Kompost.de, wo auch auf den Untergrund und die verschiedenen kompostierbaren Materialien eingegangen wird. Beim Kompostieren von Laub rät Lothar Friedrich ab, Eichen- oder Walnusslaub zu kompostieren, da dies sehr schlecht rottet. Und wer einen Häcksler zur Verfügung hat ist Kompostkönig