Gehn wir Enten füttern im Park

Kornwestheimer Zeitung 15.6.2022

Groß genug sind die Schilder ja. Eigentlich müssten sie jedem ins Auge fallen. Wenn ich am Stadtparksee jemanden Enten füttern sehe, bin ich so frei, diese Person anzusprechen, ob sie die Schilder gesehen hat. Oftmals wird dann verschämt die Brottüte eingepackt, manchmal gibt es auch Antworten wie "... aber das macht den Kindern doch so viel Freude."

 

Das nächste Mal werde ich mit einer Idee meiner Frau antworten: "Dann klauen Sie doch mal im Supermarkt an der Kasse ein paar Süßigkeiten. Das macht den Kindern auch Freude. Dass Sie dann wegen Ladendiebstahls dran kommen, naja. Man muss sich ja nicht an alle Regeln halten."

 

Dabei ist die Regel "Bitte nicht füttern" auf den Schildern gut begründet.

 

Erstens mit dem Tierwohl. Brot im Überfluss macht die Enten faul, enthält zu viel Salz und Zucker und quillt im Magen auf. Ihr natürliches Tagesgeschäft, die Futtersuche, kommt so zu kurz. Auch eine Art lockdown.

 

Zweitens mit der Wasserqualität. Nicht umsonst wird der See mit Luft besprudelt, damit er nicht kippt. Sorry, liebe Entenfütterer, da wird auch mein Geld zum Fenster raus geworfen. Diese und andere Reinigungsmaßnahmen kosten nämlich. Würden Die Leute sich an das Verbot halten, sänke weniger Brot und weniger Enten- und Gänsekot auf den Seegrund, wo es leider unter Luftabschluss verfault.

 

 Und nicht zuletzt lockt das übrige Brot an Land Ratten und Tauben an, die Krankheiten auch auf Menschen übertragen. Ich spreche aus Erfahrung, denn die Gelbsucht, wegen der ich vor vielen Jahren nicht zum Schüleraustausch nach England konnte, war wohl von einer Wanderratte.

 

Wenn man jemanden auf sein Fehlverhalten anspricht, kann man auch seltsame Antworten bekommen. Auf der Enzbrücke in Bietigheim sprach ich einen Mann an, der Brotstücke tütenweise in den Fluss zu den wartenden Enten kippte. Auf meinen Hinweis, dass das nicht gut sei, kam in gebrochenem Deutsch der Ratschlag, ich solle doch ein Buch darüber schreiben. Er hatte übrigens keine Kinder dabei, die sich hätten freuen können.