Was ist eigentlich eine Benjes-Hecke?

Kornwestheimer Zeitung 23.2.2022

 

"Eine Hecke ... ist ein linienförmiger Aufwuchs (ein- oder mehrreihig) dicht stehender verzweigter Sträucher. Die Silbe heck bedeutet beschützen, behüten, Hecke und beschreibt die Abgrenzung eines Ortes im Allgemeinen oder durch eine Heckenumpflanzung im Speziellen." (Wikipedia)

 

Leider sind Hecken in der Agrarlandschaft stark zurückgegangen, dabei bieten sie viele Vorteile. Bei der Markungsputzete haben wir festgestellt, dass sie Windsperren sind. Für uns waren es "Müllsenken" wo wir säckeweise Angewehtes aufklauben konnten. Zwischen Feldern dienen sie zur Verminderung der Bodenabtragung. Ich erinnere mich noch an die Nachrichten vom Massencrash auf der A1, als in Mechlenburg-Vorpommern ein Sturm jede Menge Erdreich über die Autobahn wehte. Riesige Ackerflächen ohne "Windbremse".

 

Als Lebensraum dienen Hecken vor allem dem Kleingetier. Spinnen und Insekten wie Käfer, Schmetterlinge, Fliegen und Wildbienen. In der Folge kommen auch Amphibien und Vögel, die ja jetzt neben Unterschlupf auch noch Nahrung haben. Aber auch Säugetiere von der Fledermaus über Haselmaus, Igel, Fuchs, Hase und Reh nutzen Hecken.

 

Was da kreucht und fleucht ist vorwiegend von Größe und Zusammensetzung der Hecke abhängig. Auf der NABU-Streuobstwiese haben wir jetzt begonnen, eine "Benjes-Hecke" anzulegen. Hermann Benjes hatte Ende der 1980er Jahre die Idee, Hecken nicht anzupflanzen sondern die Natur machen zu lassen. Wird Gehölzschnitt in ausreichender Höhe und Breite linear aufgeschichtet, werden im Laufe der Zeit Samen durch Windflug und über Vogelkot eingetragen und keimen im Schutz dieses Totholzes. Kostet nix, braucht aber Zeit. Wir sind ziemlich gespannt, was sich da entwickeln wird.

 

Als nachteilig wird angesehen, dass in einer Benjes-Hecke sich Brennnesseln und Brombeeren oft "vordrängeln". Da das aber wichtige Wirtspflanzen für Schmetterlinge sind, sehe ich das entspannt. Eine Hecke ist viel schneller entfernt als gewachsen. Bis sich ein naturnahes Biotop entwickelt hat dauert es 30 bis 120 Jahre. Das werde ich wohl eher nicht mehr erleben, aber egal, der Anfang ist gemacht.