...Igelquartier anlegen

01.10.2014 Kornwestheimer Zeitung

Wenn in Ihrem Garten das Laub fällt, gibt es einen Abnehmer, der sich darüber freut: Der Igel ist bereits auf Suche nach einem Winterquartier. Dabei können Sie ihm helfen: Idealerweise besteht ein Unterschlupf aus Holz, Reisig und trockenem Laub. Der Igel sollte eine Art Höhle vorfinden, die er zum Winterschlaf auspolstern kann. Aus ein paar Brettern kann man ein Igelhäuschen zusammen zimmern und sogar eine Zwischenwand einbauen, dass Katzen nicht eindringen können.


Gefahren lauern auf der Suche nach einem Quartier: Gartenteiche mit steilem Ufer und Lüftungsschächte können zur tödlichen Falle werden und sollten abgedeckt werden. Kellertreppen kann man „igelgängig“ machen, indem man auf jede Stufe einen Backstein stellt, so dass ein hinab gepurzelter Igel wieder hoch klettern kann.

 

Die Igel haben jetzt gerade Junge, die sich einen Winterspeck anfressen müssen bis das Nahrungsangebot knapper wird und die Temperaturen sinken. Aber Vorsicht: Nicht jedes Igelkind ist hilflos und muss in Gewahrsam genommen werden. Beobachten Sie zunächst eine bis zwei Stunden. Igel sind wärmeliebend und genießen auch einfach mal die Sonne. Wenn die kleine Stachelkugel agil wirkt oder gar die Mutter sich ihrer annimmt, ist keine Hilfe nötig. Deren bedarf es erst, wenn ein Igel die Stacheln anlegt, wenn er apathisch wirkt, auf der Seite liegt oder die Fleischmücken um ihn herum schwirren. In solchen Notfällen kann Frau Scholl (Telefon 3828) helfen. Sie freut sich auch über jeden Igelpaten, der einen ihrer vielen Schützlinge bis zum Winterschlaf hochpäppelt, oder auch über Futterspenden.

 

Zum Frühlingserwachen wird dann ein Schälchen Wasser und Igeltrockenfutter aufgestellt. Wenn der Igel ein Gewicht von 700-800g erreicht hat und die Nachttemperaturen +8°C nicht mehr unterschreiten, kann er ausgewildert werden.

Noch Fragen?

Um diese Jahreszeit ist es nicht ungewöhnlich, dass einem ein Igelbaby über den Weg läuft, von dem man denkt "Oh Gott, ob das den Winter überlebt?". Aus langjähriger Erfahrung warnt die Kornwestheimer "Igelmutter" Helga Scholl davor, die Kleinen einfach mitzunehmen. Igel sind Wildtiere, und ein kleiner gesunder Igel hat noch Zeit, den nötigen Winterspeck anzufressen und auf eine ausreichende Winterschlafgröße zu wachsen. Nur wenn Sie ein offensichtlich krankes Tier finden oder später im Herbst ein sehr kleines Tier, nehmen Sie Kontakt mit der Igelstation auf. Hier sind Sie bei allen Fragen zu Igeln an fachkundiger Stelle.

Igelquartier

Hierzu gibt es bei pro-igel.de eine ausführliche Seite, auf die hier verwiesen sei.

Igelpatenschaft

Aus eigener Erfahrung: Pflegeigel brauchen Futter, zu dem Frau Scholl viel zu erklären hat. Man kann da viele Fehler machen. Igel sind gute Kletterer und brauchen eine entsprechende Kiste, damit die nachtaktiven Tiere einem nicht beim Toilettengang um drei Uhr morgens um die Füße huschen. Wenn sie das nötige Gewichterreicht haben, werden sie samt Kiste auf den Balkon oder in den kalten Keller gestellt. Das Auswildern nach dem Winterschlaf sollte nicht zu spät geschehen, denn ein neuer Jahreszyklus steht an: Revier- und Partnersuche, Paarung und Aufzucht der Jungen. Wenn der Start zu spät erfolgt, haben die Jungen nicht genug Zeit für die Wintervorbereitung.

 

Es macht wirklich Spaß, sich mit diesen stacheligen Insektenfressern zu befassen. Und einen Igel in der Hand zu haben ist für ein Kind etwas ganz Besonderes.